Wie Paul Newman die Vintage Uhrenwelt veränderte!

Donnerstag, 26. Oktober 2017, der Tag der in die Vintage Uhren Geschichte eingehen wird. Als ich letzte Woche der Liveübertragung der Philips Auktion beiwohnte, spürte ich eine stetig wachsende Begeisterung in mir, als es in Richtung Lot 8, der Rolex Daytona von Paul Newman ging. Nach einer kurzen Einleitung in Form eines Videos und einem Startgebot von mageren 1 Million Dollar, sollte der gesamte Saal nur wenige Sekunden später vollends eskalieren. Ich nippte gerade an einem Glas Rotwein, als das 2. Gebot in den Raum hämmerte, 10 Millionen Dollar, mein Rotwein verteilte sich in einem Sprühstoß über meinen Bildschirm.

 

Als sich nur wenige Minuten später der Staub gelegt hatte und ich die letzten Rotweinspritzer aus den Zwischenräumen meiner Tastatur entfernte, fiel der finale Hammer. Für eine Rekordsumme von 17,75 Millionen Dollar, welche sie zu der teuersten Armbanduhr der Welt werden lässt, wechselte Paul Newmans „Paul Newman“ den Besitzer.

Die perfekte Symbiose!

 

Er war mit der Rolex Daytona enger verbunden als jeder andere Mann auf der Welt. Das liegt vielleicht daran, dass er in vielerlei Hinsicht, die lebende Verkörperung der Rolex Daytona war, oder war es umgekehrt? Ansehnlich, zeitlos, cool, sportlich, mystisch und charismatisch sind alles Attribute, die auf beide zutreffen.

 

Nach dem Ableben von Paul Newman 2008 fand Arnold Schwarzenegger folgende passende Worte:

 

„Paul Newman war der ultimative coole Typ, zu dem andere Männer aufsahen

und den Frauen liebten. Er war eine amerikanische Ikone, ein brillanter Schauspieler

und ein großzügiger, aber bescheidener Philanthrop. Er unterhielt Millionen,

in einigen der denkwürdigsten Rollen Hollywoods und er hat durch seine wohltätigen Taten das Leben vieler,

besonders schwer kranker Kinder, aufgehellt.

Paul war einzigartig.“

Doch wie wurde die Rolex Daytona zu einer „Paul Newman“?

 

Die erste Daytona mit einem „Exotic Dial“ (ein schwarzes oder weißes Zifferblatt mit kontrastierenden Totalisatoren und Innenring) kam Anfang der 60er auf den Markt. Was viele jedoch nicht wissen ist, dass sie in den Schaufenstervitrinen verstaubte, niemand wollte sie haben.

 

Nach 20 Jahren Schattendasein bekam die Rolex Daytona ihre erste Aufmerksamkeit durch eine Gruppe von Amerikanischen und Italienischen Vintage Uhren Händlern. Es war diese kleine Händlergruppe, die den Spitznamen für das „Exotic Dial“ kreierte, die „Paul Newman“ war geboren.

 

Nach der Wiederentdeckung Anfang der 90er Jahre wuchsen die Preise einer Vintage Paul Newman kontinuierlich und eine Stagnation dieser Wertentwicklung ist bis heute nicht in Sicht. Die Uhr, die Anfang der 60er noch 300 Dollar kostete, entwickelte sich Ende der 80er zu einem Wert von 1.500 Dollar, bis sie Mitte der 90er das erste Mal die Marke von 10.000 Dollar knackte. Hätten wir doch damals zugeschlagen. Heute lesen sich diese damaligen Preise wie Peanuts, denn 2013 wurde die Schallmauer von 1 Million Dollar für eine Paul Newman durchbrochen. Und dieser Verkauf stellt noch lange nicht das Ende der Fahnenstange dar. Die bis dato teuerste Rolex Daytona, war eine Referenz 6263 in Gelbgold mit einem zitronenfarbenen Zifferblatt, welche 3,7 Millionen Dollar einbrachte.

Der Weg zu einem Klassiker!

 

Paul Newman’s Frau, Joanne Woodward, kaufte ihm 1968/1969 die „Exotic Dial“ Daytona Referenz 6293 bei Tiffany & Co. in New York City. Auf dem Gehäuseboden ließ sie folgende Worte eingravieren: „Drive Carefully Me.“ Paul trug diese Uhr über Jahre und es gibt unzählige Fotos, die als Zeitzeugen dieser Geschichte dienen. Er nutzte sie zum Beispiel um seine Rennen in Lime Rock, Conneticut zu timen oder trug sie beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans.

 

Nach einem Jahrzehnt des Tragens seiner geliebten 6239 beschenkte er damit den Freund seiner Tocher Nell, James Cox, 1984. Als Paul ihn eines Tages nach der Zeit fragte und dieser keine Uhr umhatte, lag es nur allzu nahe, dass Paul ihm die Uhr schenkte. Cox liebte die Uhr, da er sie als Symbol seiner Beziehung zu den Newmans verstand. Erst ein Jahrzehnt später begann er zu begreifen, dass die Uhr, die er all die Jahre getragen hatte, in den Kreisen von Uhrensammlern einen Kult ausgelöst hatte.


Wird diese Blase jemals platzen?

 

Das ist die Frage, die ich mir nach diesem Verkauf gestellt habe und ich denke, sie wurde letzte Woche mit einem Paukenschlag beantwortet, 17,5 Millionen Dollar, kein Ende in Sicht.

 

Aber wie verhält sich die Paul Newman in Relation zu der Rolex Bao Dai (5 Millionen Dollar) oder der Patek Philipp 1518 (11 Millionen Dollar). Es handelt sich doch „nur“ um einen einfachen Chronografen aus Edelstahl mit einem „Exotic Dial“ und einem Valjoux Uhrenwerk, also einer von vielen. Die Bao Dai hingegen ist eine absolut einzigartige Uhr mit goldenem Gehäuse und Armband, einem Diamantzifferblatt und dem kompliziertesten Uhrwerk, das Rolex jemals hergestellt hat. Die Patek Philippe 1518 ist eines von vier bekannten Exemplaren, der ersten in Serie produzierten ewigen Kalender Chronografen, der nicht aus Edelmetall gefertigt ist. Zwei Uhren die nahezu Einzigartig sind!

 

Der Wert der Paul Newman Daytona hingegen entstand einzig und allein durch die Geschichte, die hinter dieser Uhr steckt, einem passenden Charakter, der diese verkörpert und gelebt hat und einer Gruppe von Sammlern, die hieraus einen Hype kreiert haben. Thats it! Schon gut, schon gut, er trug sie persönlich am Handgelenk und sie stellt somit die Spitze der Rolex Daytona Pyramide dar.

  

Aber zum Glück hat dieser Verkauf ein neues Kapitel für die Uhrenindustrie aufgeschlagen. Noch nie hat eine Uhr so viel Aufmerksamkeit auf unsere Welt der Vintage Uhren gelenkt. Die Uhrencommunity ist immer auf der Suche nach neuen Uhren, neuen Geschichten, neuen Rekorden und neuen „holy grails“. Mit der Paul Newman im Rückspiegel ist die eigentliche Frage, was kommt als Nächstes und wer ersetzt mir meinen Rotwein?

Write a comment

Comments: 0